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Telefonica verkauft zwei Call Center an Transcom

Telefonica verkauft zwei Call Center an Transcom

17. März 2021

TGCS Essen und Berlin: Drei schwere Fehler


Längst ist es beschlossen und besiegelt. Die Be triebe TGCS Essen und die TGCS Berlin werden von der Transcom übernommen. Schade ist nur, dass Telefónica daraus eine Chefsache gemacht und an vielen Ecken und Enden Informationen zurück gehalten hat oder noch zurückhält. Das sind schwere Fehler und belasten das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten weit über die beiden betroffenen Standorte hinaus.

Fehler 1: Vertrauen zerstört
Eigentlich hätten wenigstens die Betriebsräte oder deren Wirtschaftsausschüsse viel früher über die Pläne zum Verkauf informiert werden müssen. Dann hätte man viel mehr Zeit gehabt, in Ruhe zu beraten und über mögliche Alternativen zu sprechen. Stattdessen lagen zwischen der Information an die Betrieb sräte und Vertragsabschluss zwischen Transcom und Telefónica nur wenige Tage. Das zerstört Vertrauen.

Fehler 2: Demotivation
In Lehrbüchern über strategisches Management gibt es ein Werkzeug, das sich ‘Stakeholder Analyse’ nennt. Darin betrachtet man, welche Gruppen großen Einfluss auf das Unternehmen haben. In unserem Fall heißt das nichts anderes, als dass die Mitarbeiter innen und Mitarbeiter eine Interessengruppe sind, die großen Einfluss auf den Erfolg des operativen Geschäfts, gerade auch in der Zeit nach dem „Firmenverkauf” haben. Durch Fehler 1 demotiviert Telef ó nica seine Beschäftigten, obwohl Telefónica auch nach dem Verkauf auf die Kolleginnen und Kollegen angewiesen ist, da sie noch für mehrere Jahre im Auftrag des Konzerns ar beiten sollen.

Fehler 3: Unsicherheit
Zwar gibt es viele Beteuerungen, dass die beiden Verkäufe in Essen und Berlin zum Besten für die Beschäftigten seien. Aber es gibt keine belastbaren Zusicherungen für den Erhalt der beiden Standorte und Arbeitsverhältnisse. Um die Beschäftigten zu halten und zu motivieren, sollte schwarz auf weiß zugesichert werden, Arbeitsplätze für die nächsten drei Jahre zu erhalten und eine Bleibeprämie auszuloben. Die mündlichen Zusicherungen der Geschäftsführung Standorte und Jobs seien sicher, k önnen nicht eingeklagt werden.

Deshalb Sprich es an
Welche Fehler siehst Du beim Verkauf der TGCS Essen und der TGCS Berlin? Was wünschst Du Dir von Deinem Arbeitgeber Telefónica? Was wünschst Du Dir von Deinem neuen Arbeitgeber Transcom? Was brennt Dir sonst auf den Nägeln?

Schreib uns:
Sprich-es-an@verdi.orgim Betreff kurz angeben, ob Du in Essen, Berlin oder wo anders bei Telefónica beschäftigt bist. Gerne kannst Du auch Deine Kontaktdaten hinterlassen, musst
es aber nicht. Wir werden die eingehenden Mails vertraulich behandeln.

26. Februar 2021

Unsicherheit und Solidarität

Offenbar hat der Arbeitgeber nun alle Beschäftigten über die Verkäufe der Standorte Telefónica Germany Customer Service GmbH (TGCS) Essen und  Berlin informiert. Die gewählte Formulierung des Arbeitgebers im Intranet der Telefónica war - vorsichtig gesagt - unglücklich. Das wird sehr wohl von den Beschäftigten an anderen Standorten, und auch außerhalb der TGCS-Betriebe, wahrgenommen. Die Wortwahl des Arbeitgebers sorgt für wachsende Verunsicherung bei den Beschäftigten.
 
ver.di hört zu

Da über die Verkäufe sehr wenig bekannt ist und die Verträge mit Transcom nicht offengelegt werden, ist völlig unklar, inwieweit der neue Besitzer der TGCSn Essen und Berlin die Arbeitsplätze, die Standorte und die Vergütungsstrukturen beibehält oder möglicherweise verändern will. Deshalb kann ver.di zur Zeit auch nicht mehr tun, um weitergehende Infos zu sammeln und zu analysieren. Aber wir hören den betroffenen Kolleginnen und Kollegen zu, die uns kontaktieren und sich beraten wollen. Auch kontaktiert ver.di die Transcom, um mehr zu erfahren, da von Seiten der Telefónica die detaillierten Konditionen weitgehend unter Verschluss gehalten werden.
 

Besorgnis und Emigration

Viele Kolleginnen und Kollegen, die uns in diesen Tagen kontaktieren, sind frustriert, da Telefónica Preise für den tollen Kundendienst gewinnt und sehr gute Geschäftsergebnisse erwirtschaftet. Ausgerechnet jetzt, wo es wieder aufwärtsgeht, verkauft Telefónica über 550 seiner Beschäftigten. Das empfinden einige als Verrat. Kolleginnen und Kollegen berichten uns, dass sie das Vertrauen zu Telefónica verlieren und ihre Bindung. Sie wenden sich innerlich von „ihrem“ Unternehmen ab. Psychologen sprechen in diesen Zusammenhang von „innerlicher Emigration“.

ver.di wundert sich vor diesem Hintergrund über die exzellenten Ergebnisse der letzten Mitarbeiterbefragungen. Viele Kolleginnen und Kollegen, die mit ver.di sprechen, berichten, dass diese unter dem Einfluss von Vorgesetzten, Team- und Standortleitungen, entstehen. Wenn in Betrieben die Mitarbeiterbefragungen schlecht ausfielen, könnte dies Auswirkungen auf den Fortbestand des jeweiligen Standorts haben, so die Führungskräfte gegenüber den Mitarbeiter*Innen. Unter dem Druck dieser Behauptung füllen Beschäftigte ihre Fragebögen offensichtlich positiver aus. Das erklärt aus unserer Sicht einen Teil der guten Ergebnisse aus den Mitarbeiterbefragungen.


Heute ihr, morgen wir?!

Was für die betroffenen Betriebsräte und Beschäftigte in Essen und Berlin wohltuend ist, sind die Solidaritätsbekundungen der Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben. Viele Kolleginnen und Kollegen der Telefónica, die uns kontaktieren, denken nach dem Motto: „Heute sind meine Kollegen in Berlin und Essen dran, morgen dann ich und meine Leute.“ Obwohl die Qualität und die Zahlen stimmen und wir mitten in einer Pandemie stecken, macht Telefónica diesen Schritt. Das ist offensichtlich erschreckend für viele Beschäftigte.


Teamgeist und Solidarität

ver.di stellte bislang fest, dass es Telefónica geschafft hat, die Sparten und Betriebe so zu zergliedern, dass ein Zusammengehörigkeitsgefühl komplett unterentwickelt bleibt. Viele Beschäftigte denken auch fast sieben Jahre nach der Fusion noch in grün und blau. Das ist ein Komplettversagen der emotionalen und kulturellen Integration von Kolleginnen und Kollegen, die in einem Boot sitzen. Das ist für den Arbeitgeber gut, weil Widerstände für schmerzhafte Management-Maßnahmen begrenzt wirken und gering bleiben. Für die Beschäftigten ist es jedoch schlecht. Seit der Fusion von E-Plus und Telefónica sind mehrere tausend Arbeitsplätze abgebaut worden. Und es wird weitergehen, prognostiziert ver.di. Die Beschäftigten müssen zusammenrücken und sich solidarisieren, um „ihr“ Unternehmen mitzugestalten und zu verändern. Zu viel Profit der Telefónica fließt nach Spanien, zu wenig davon bleibt bei den Beschäftigten hängen!

Beschäftigte sind sogenannte Stakeholder (Teilhaber, Anspruchsberechtigte) der Telefónica. Sie haben Ansprüche, an denen sich ein Unternehmen orientieren und ausrichten muss. Ein Unternehmen ist allen Stakeholdern verpflichtet! Andere Stakeholder sind Kunden, Lieferanten oder auch Aktionäre. Aber eine Telefónica-Kollegin bringt es auf den Punkt: „Erst kommen die Aktionäre, dann die anderen und erst ganz am Ende kommen irgendwann wir, die Beschäftigten.“

23. Februar 2021

Gut. Besser. Verkauft! - Pressemeldung überrascht Beschäftigte

Heute gab Telefonica Deutschland mit einer Pressemitteilung bekannt, zwei Standorte in Essen und Berlin mit insgesamt rund 550 Beschäftigten verkaufen zu wollen. Wieder einmal trifft es die Kolleginnen und Kollegen im Kundenservice. Wieder einmal stehen die betroffenen Beschäftigten vor einer unsicheren Zukunft. Wieder einmal bleiben die Zusicherungen der Arbeitgeber zum Erhalt von Standorten und zum langfristigen Erhalt der Arbeitsplätze für die Zeit nach dem Verlauf vage. Belastbare Zusicherungen in Form von schriftlichen Zusagen für die Jobs und die Standorte in Essen und Berlin bleiben bis dato aus. ver.di kritisiert, dass die Unterrichtung der Betriebsräte über die Verkaufspläne erst vor gut einer Woche erfolgte. Viel zu spät, um seriös über mögliche Alternativen zu verhandeln.

 Immer besser, aber nicht gut genug

Bitter ist zudem die Tatsache, dass alle TGCSn im Telefonica-Konzern seit Jahren erfolgreich an einer Verbesserung ihrer Effizienz arbeiten. Auch die TGCSn Essen und Berlin wurden immer besser, ohne dass ihre Kosten stiegen! Es wirkt wie Hohn, wenn der Arbeitgeber in seiner Pressemeldung zum Verkauf der beiden Standorte auf eine „preisgekrönte Erfolgsgeschichte“ verweist.

„Die Menschen im Kundenservice sind ein elementarer Bestandteil für die gute Bewältigung der Corona-Krise, aber auch für den Kundenservice der Telefonica als Ganzes. Als Dank folgt die Botschaft des Arbeitgebers: Gut ist nicht gut genug. Wir verkaufen euch lieber,“ kritisiert der Konzernbetreuer der ver.di, Christoph Heil.  Telefónica-Beschäftigte ver.dienen mehr!