Telefonica & E-Plus @ ver.di

    Telefónica Arbeitgeber geht ans Portmonee

    Telefónica Arbeitgeber geht ans Portmonee

    April 2017

    Arbeitgeber geht ans Portmonee

    Verhandlungen gestartet
    Am 4. und 5. April begannen Arbeitgeber und Gesamtbetriebsrat (GBR) mit den Verhandlungen zu einem neuen Vergütungs- und Bezahlungssystem. Vorrangig soll es nach Aussage des Arbeitgebers um die Harmonisierung der Bezahlung von Telefónica- und ehemaligen E-Plus-Beschäftigten gehen. Telefónica stützt sich dabei auf Vorschläge eines Beratungsunternehmens. Auf der Hand liegt, dass Telefónica den Umbruch nicht zuletzt aus Kostengründen forciert.

    „Marktkonformes“ Bezahlungssystem
    Betriebsräte und Manager kennen Telefónica in- und auswendig. Trotzdem überlassen die Verantwortlichen einem externen Berater das Feld. Dieser verspricht marktkonforme Entgelte und Wettbewerbsvorteile. Das neue System der Entgeltgruppen (jetzt „Jobcodes“ genannt) soll komplett auf dem System der Beratungsfirma basieren – die Betriebsräte sollen lediglich noch einige allgemeine Kriterien verhandeln. Das Beratungsunternehmen hat aus der Analyse „im Markt“ Benchmarks für die Jobcodes generiert. Diese Benchmarks sollen die Leit-linien darstellen, welche später die Einkommensentwicklung der Telefónica-Beschäftigten begrenzen. Auf Grundlage der Benchmarks werden für jeden Jobcode Gehaltsbänder definiert – mit Bandbreiten bis zu 50 %! Die Beschäftigten werden auf Basis ihrer Tätigkeiten in das entsprechende Band „eingruppiert“. Hierbei werden die Betriebsräte beteiligt – die genaue Positionierung im Band soll allein dem Arbeitgeber obliegen.

    Das ist zu wenig!
    Die Betriebsräte müssen im kompletten Prozess überall dort, wo es Mitbestimmungsrechte gibt, beteiligt werden.

    Die Leitplanken aus Sicht der ver.di:
    Die Basis, auf der die Geschäftsführung in die Verhandlungen gestartet ist, verspricht wenig Gutes für die Beschäftigten. Aus Sicht der Beschäftigten müssen dringend Leitplanken eingezogen werden, die für die Arbeitgeber „No-Go-Areas“ markieren.
    • Weg mit den Benchmarks von irgendwelchen Beratungsfirmen, die als Grundlage für ein neues Vergütungssystem Äpfel mit Birnen vergleichen.
    • Keine Verschlechterung der Bezahlung.
    • Das neue Vergütungssystem muss Raum für Gehaltsentwicklungen und Karrieren lassen.
    • Telefónica will neue MitarbeiterInnen schlechter bezahlen. Die Schlechterbezahlung von Neuen spaltet die Belegschaft.
    • Bezahlung und Vergütungen sind ganz klar gewerkschaftliche Themen. ver.di steht bereit, das neue Vergütungs- und Bezahlungssystem in einen Tarifvertrag zu betten. Das hätte viele Vorteile:
     Keine Absenkung von Löhnen und Gehältern.
     Transparenz: Für Beschäftigte muss klar sein, wie und warum eingruppiert wird und wie die einzelnen Gehaltsbänder aussehen.
     Spielraum für Gehaltsentwicklung und Karrieren.
     Keine Verlängerung der Arbeitszeit.

    Kommunikation: ver.di berichtet seinen Mitgliedern über die Verhandlungen und macht daraus keine Geheimsache, wie dies vom Arbeitgeber versucht wurde.

    April 2017

    Arbeitgeber fordert Betriebsräte zu Verhandlungen auf!

    Im Rahmen des Betriebsübergangs der EPM Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat der Arbeitgeber die Betriebsräte zu Verhandlungen aufgefordert. Neben einem neuen Vergütungssystem und neuen Regelungen zum Thema Arbeitszeit soll es auch eine neue Incentive Regelung und neue Benefits geben. Die Verhandlungen zur Vergütung werden „New Reward" genannt. Soll uns das signalisieren, es wird ein neues Belohnungssystem verhandelt? Nach unseren Informationen soll jedoch auch ein neues Vergütungssystem verhandelt werden.

    Warum laufen die Verhandlungen unter dem Titel „New Reward"?
    Ganz einfach, weil der Betriebsrat mit dem Arbeitgeber ein Belohnungssystem verhandeln darf, aber alle anderen Sachverhalte die üblicherweise in einem Tarifvertrag (z.B. Höhe der Löhne, Entgeltstufen, Entgeltgruppen, leistungsbezogene Entgeltbestandteile) geregelt werden, stehen unter dem Tarifvorbehalt Diese Regelungen verhandeln die Tarifvertragsparteien, also der Arbeitgeber und die zuständige Gewerkschaft.

    Warum gibt es einen Tarifvorbehalt?

    Die Tarifvertragsparteien sollen auf gleicher Augenhöhe verhandeln. Für den Betriebsrat gilt das Betriebsverfassungsgesetz, er unterliegt der Friedenspflicht (§74, Abs. 2) Arbeitgeber und Betriebsrat haben Betätigungen zu unterlassen durch die der Arbeitsablauf oder der Frieden des Betriebes beeinträchtigt wird. Das schränkt die Durchsetzungsmöglichkeiten des Betriebsrates ein.

    Er kann nicht über die Höhe des Entgelts verhandeln, sondern muss sich mit dem Budget zufrieden geben, dass der Arbeitgeber zur Verfügung stellt.

    Deshalb hat das Bundesarbeitsgericht auch festgestellt: (Tarif-) Verhandlungen ohne das Recht auf Streik sind nicht mehr als kollektives betteln.

    Gibt es bei Vergütungsverhandlungen unterschiedliche Interessen?

    Na klar! – Ein Unternehmen will sparen, um an die Aktionäre höhere Dividenden ausschütten zu können. Derzeit wird die Dividende um 1 Cent erhöht und eine Variable von 90% ausgezahlt. Die Beschäftigten wollen jedoch eine gute Bezahlung und zwar dauerhaft und planbar. Boni on Top sind O.K., aber wenn sie ein fester Lohnbestandteil werden sind sie nicht mehr planbar.

    Wie stellt eine Gewerkschaft ihre Verhandlungsmächtigkeit her?

    Die Verhandlungsmächtigkeit der Gewerkschaft, also ihre Durchsetzungsfähigkeit, misst sich an der Anzahl ihrer Mitglieder und an ihrer Streikfähigkeit. Das bedeutet nicht unbedingt, dass gestreikt werden muss, sondern dass die Gewerkschaft es könnte, wenn sie es für notwendig hält.

    Wer entscheidet über die Forderungen und sorgt für die Durchsetzung des Tarifvertrags?

    Die Tarif- und Verhandlungskommission, dass sind gewählte Mitglieder im Betrieb i.d.R. auch Betriebsräte. Sie verhandeln als ver.di Mitglied.

    Was sind die nächsten Schritte?

    Je mehr wir sind desto besser und mächtiger, jetzt Mitglied werden.